Great October Fair in Ballinasloe |
Wir waren heuer zum ersten Mal auf Europas ältestem Pferdemarkt in Ballinasloe. Was wir in Irland erlebt und gesehen haben, möchten wir euch in diesem kurzen Bericht schildern. |
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Nach einem angenehmen 2 1/2 Stunden Flug mit Aer Lingus sind wir wohlbehalten in Dublin angekommen. Um mobil zu sein mussten wir natürlich einen Leihwagen chartern.
Christian kennt zum Glück das Rechtslenken - Linksfahren schon, trotzdem war es für uns alle sehr ungewohnt und lustig.
Wenn der Kreisverkehr (Roundabout) mal linksrum geht, wird einem schon mulmig. |
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Bis wir dann von Dublin weg waren, das Auto organisiert hatten und auf dem Weg quer durch Irland zu unserem Hotel in Galway waren, verging viel Zeit.
Müde und geschafft waren wir froh unsere Unterkunft gefunden zu haben. Schnell noch ein schrechliches aber typisches Abendessen in der Hotelbar und dann ab ins Bett, um fit für den nächsten Tag zu sein.
Die ersten hautnahen Tinker, die wir in Ballinasloe sahen, waren in diesem Hänger. Eine Grauschimmelstute (Renates Favorit) mit Fohlen und einen schmaler Jährlingswallach. Wie sich später rausstellte, handelte es sich dabei um "gutbehandelte" Tinker, im Gegensatz zu den anderen, auf die wir später stiessen. |
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Erster Überblick, Samstag, erster Tag, 10 Uhr. Noch ist wenig los. So grün, übersichtlich und ruhig war es nicht lange. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Nach einer Runde um den Platz waren einige Tinker bereits weg, andere kamen dazu. |
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Überall standen Tinker herum. Einige waren an langen Seilen angebunden, andere waren absichtlich frei, manche hatten sich von alleine befreit. Die Besitzer der Pferde waren nicht ausfindig zu machen. Anscheinend konnten die Tinker sich selbst am besten helfen. |
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Es bildeten sich kleine Herden unter den frei laufenden Pferden. Genüsslich wurde gemeinsam gefressen und herumgetolt. |
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Wir sahen auch selbstsichere Fohlen, die sich im Alleingang übten. Möglicherweise sind sie auch früh abgesetzt worden? |
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Die Kinder der Traveller wachsen mit den Pferden auf. Dieser junge Reiter sitzt lieber am warmen Tinkerrücken als sich die Beine in den Bauch zu stehen. |
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An jeder nur denkbaren Möglichkeit wurden die Pferde angehängt. Mauern, Zäune, Absperrungen, Mistkübeln oder einfach mit einem Zelthering im Boden. |
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Hier wurde unter den Travellern entweder getauscht, oder einfach nur verhandelt. Anscheinend ging das Geschäft nicht auf, da das linke Pferd noch den ganzen Tag zu sehen war.
Die gekauften Tinker wurden auf LKWs oder Hänger gepfercht und mussten warten, bis weitere Pferde hineingestopft wurden. In einen bei uns für 2 Pferde ausgelegten Hänger gingen dort so ca. 5 Tinkerponys rein. Ob die Fahrer dann auch alle einen "E" Schein haben? :o) |
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Diese Herde wollte sich nicht einfangen lassen und sauste auf der Wiese herum. Anscheinend haben auch diese Pferde das Vertrauen gegenüber dem Menschen schon verloren. Später entdeckte ich die schwarze Stute mit Fohlen am Zaun angebunden. Ein kleines Kind der Zigeuner ging zu dem Fohlen hin und erschreckte es mit zischenden Geräuschen - Grundlos! Da kann man sich nur wundern! |
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Auf der Marktwiese war ja fast jede Rasse gescheckt. Minishettys, Ponys, Hunter, sogar die Eseln waren bunt. |
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Der rechte hübsche Kerl ist ein ausnahmsweise sehr gepflegter Hengst, der sich zu präsentieren wusste. Eine freilaufende Stute wurde auf ihn aufmerksam und schaute mal vorbei. Die Zwei begrüssten sich und die Stute ging wieder ihre Wege. |
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Die Idylle trügt! Viele dieser Ponys wurden von ihren Bestizern sehr streng gehalten. Wie oft sie mit den "Sticks" geschlagen wurden sah man an den Striemen an ihren Körpern. Diese Sticks sind ca. 1m lange, harte Fiberglasstecken, diese wurden an jeder Ecke um 2? zum Kauf angeboten. Das ist weit entfernt von Pferdeflüsterei. Ein trauiger Anblick wenn die Ponys zur Begrüssung vom Besitzer grundlos mal eine auf die Kruppe oder den Kopf bekommt.
Wer kennt das nicht, daß sein "aus Irland importierter" Tinker Kopfscheu ist. Nun wissen wir warum. |
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Den Travellern bereitete es riesigen Spaß stundenlang mit dem selben Pferd am Asphalt wir verrückt auf und ab zu traben. Es wurde keine Rücksicht auf umstehende Menschen genommen. Ein kleines Kind musste ich regelrecht wegreissen damit es nicht niedergefahren wurde.
Es ging sogar soweit, daß die schon vom Geschirr blutig gewetzten Pferde aufeinander zurasten und einen Frontalcrash bauten. Binnen Sekunden waren hunderte Zigeuner da, guckten und schimpften lautstark.
Keine 10 min später wurde mit den verletzen Pferden schon wieder weitergefahren. Zwar lahm, aber nach ettlichen Hüben mit dem Stick ging das schon. Nichts für schwache Nerven! |
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Immer wieder sahen wir zusammengekuschelte Fohlen, die bei Wind und Regen an den Zäunen angebunden schliefen oder dösten. |
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Es gab alle Farben und Scheckungen zu sehen. Braunschecken waren sehr rar. |
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Dieses Fohlen hatte ein sehr orginelle Gesichtszeichnung. Sind das nun auch Inkspots oder nur Scheckflecken? :o)
Fast alle Fohlen hatten freundliche, gutmütige Augen. |
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Auf der Mainstreet in Ballinasloe gab es einen Festzug. Zu typisch irischer Musik waren viele Reiter und Fuhrwerke zu sehen. Hier sieht man den Jagdherren mit seiner Hundemeute. Er zeigt uns einen Stuhlsitz in höchster Vollendung! |
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Auch in Irland gibt es Friesen, gelten aber als etwas ganz besonderes. Importware aus Deutschland und Holland.
Diese 4 Pferde waren wunderschöne Exemplare dieser Rasse, vom Typ alle nahezu ident und perfekt aufgeputzt. |
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Schön anzusehen war auch dieser Eseleinspänner. Gar nicht störrisch und unerschrocken führt er seine Dame spazieren. |
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Auch typisch irisch ist diese Kapelle, die mit Flöten, Glockenspiel, Trommeln und so eine Art Ziehharmonika ihre Lieder trällerten. Im Gleichschritt marschierten die Kinder an uns vorbei. |
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Zu unserer Verwunderung spielten diese Schotten das deutsches Lied "Muß ich denn zum Städtele hinaus" mit ihren Dudelsäcken. Eine Ironie schlechthin. Ob das Lied durch Elvis Presley so populär wurde? |
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Zurück zu den Pferden. Hier ist die Stute, die am Vormittag noch frei über die Wiese laufen durfte. Links das Fohlen, das schon sehr früh lernen musste, daß ein Mensch nichts Gutes von ihm will. |
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Endlich mal ein Schecke mit mehr Farbe. Wie da wohl die Eltern ausgesehen haben?
Grundsätzlich hatten ja alle sehr viel Behang. Auch in Irland haben die Tinker Raspe oder sogar Sommerekzem. Also liegt es nicht nur an unserem Klima und der üppigen gutgemeinten Fütterung! |
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Endlich mal ein Bestizer mit seinen Pferden. Kein Ire ohne Stick oder Stecken.
Es gab wesentlich mehr Fohlen und Absetzer als Ponys im reitbaren Alter.
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Bei diesem Grauschimmeljährling lacht der Clydesdale stark raus. Ein hübsches Tier. Hier wird gerade über seine Zukunft entschieden. Nach meinen Belauschungen ging er um 1500? übern Tisch. |
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Natürlich dürfen Wahrsagerinnen und Handleserinnen bei so einer Veranstaltung nicht fehlen.
Von uns traute sich keiner in einen dieser Wohnwägen. Wahrscheinlich hätten wir ihr gälisch eh nicht verstanden. |
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Auch in Irland wird Sicherheit großgeschrieben. Der Besitzer dieses Autos war anscheinend die Anwesenheit sovieler Zigeuner nicht ganz geheuer und sperrte seinen geliebten Skoda Oktavia noch zusätzlich ab. |
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Schnelle Hufpflege. Dieser Wallach hatte viel zu lange Zehen. Von der Seite sahen wir dann das Malheure. Das hätte sogar ein Laie erkannt, dass das so nicht bleiben kann. |
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Viele Fohlen suchten den Schutz der Erwachsenen. Alles sehr helle Schecken. |
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Es waren überhaupt mehr Rappen als Schecken am Markt. Dieses Prachtexemplar war mal in unserer gewohnten Größe und trug ein tadelloses Geschirr. Der durchschnittliche Tinker war so um die 140 bis 145cm STM. Da haben wir echte Riesen daheim. |
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Mein Favorit war zwar ein Zwergerl, aber von der Scheckung und der Blesse ganz nach meinem Geschmack. Aber er fand den ganzen Rummel anscheinend eher langweilig. |
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Zum Abschluss noch eine Übersicht vom Getümmel am 2ten Tag. Da ist schon wesentlich mehr los als am Tag zuvor. |
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Der Besuch in Ballinasloe war eher ernüchternd. Mein zuvoriger Stolz aus Irland importierten Tinker zu haben verschwand in Kürze. Ich weiß nun, daß ich darauf keinen Wert mehr lege, da diese Tinker nicht brav sind weil sie vom Charakter her so sind, sondern weil sie mit Stöcken dazu getrieben wurden. |